Die Durchschnittliche Besuchszeit auf der Seite verfälscht die Daten

In diesem Beitrag möchte ich auf das Thema „Durchschnittliche Besuchszeit auf der Seite“ eingehen. Es kommt sehr oft die Frage, ob das normal ist, dass die die Mehrheit der Besucher nur 0-10 Sekunden auf der Webseite verbringen. Leider sind die Statistiken oft irritierend, vor allem wenn man die Technik dahinter nicht versteht. Oft schauen die Webmaster auf diese Metrik als Ganzes, was zur Verfälschung der erhobenen Daten führen kann.

Länge des Besuchs

Länge des Besuchs

Aber bevor ich zum nächsten Punkt komme, möchte ich hier einmal kurz die Technik dahinter erklären. Das erste was ein Tool braucht um diese Metrik zu berechnen, ist der Eintrittszeitpunkt auf der Seite. Sobald ein Besucher die Seite betritt, wird ein sogenannter Timestamp gesetzt, dieser wird später zur weiteren Berechnung hinzugezogen. Wenn der Besucher auf eine andere Seite innerhalb der Domain navigiert, wird der Austrittzeitpunkt vermerkt. Die Zeitdauer zwischen dem Eintritt und Austritt gilt dann als die Länge des Besuchs auf einer bestimmten Seite.

Im Idealfall besucht ein Visitor mehrere Seiten innerhalb eines Besuches, leider sieht die Realität etwas anders aus. Die meisten Besucher, vor allem die Blogleser haben eine sehr hohe Absprungrate, da hier oft nur ein Beitrag gelesen wird. Die Länge des Besuchs von 0-10 ist im Grunde genommen nichts anderes wie eine Absprungrate von 100%. In diesem Fall kann der JavaScript tag nicht die genaue Dauer des Besuchs ermitteln. Es kann ja sein, dass der Besucher 10 Minuten auf der Seite verbracht hat ohne innerhalb der Domain weiter zu navigieren oder einfach die Seite durch eintippen von einer anderen URL verlassen hat. Somit bleiben dem Webmaster sehr viele Fragen offen.

In diesem Fall besteht oft das Problem, dass die erhobenen Daten dadurch verfälscht werden. Es wird einfach auf die „Durchschnittliche Besuchszeit“ geschaut ohne sich mit der eigentlichen Besuchsdauer auseinanderzusetzen. Viele Auswertungen werden mit dieser Metrik in Verbindung gebracht. Insbesondere auf der Basis der Daten werden sehr wichtige Entscheidungen getroffen, was natürlich sehr oft zu falschen Handlungen führen kann.

Die meisten Analytics Anbieter bieten die Möglichkeit sogenannte Segmente oder Filter zu erstellen. Diese können sehr gut für die Berechnung der tatsächlichen „Durschnittlichen Besuchszeit“ verwendet werden. Um die genauen Zahlen zu bekommen, reicht es bereits die „Single Page Visits“ aus der Auswertung auszuschließen.

Hier bietet Google Analytics die Möglichkeit durch die Erstellung eines Segmentes alle Besuche von 0-10 Sekunden auszuschließen. Da bereits seit einigen Monaten die Möglichkeit besteht selbsterstellte Segmente freizugeben, werde ich bei jedem Beispiel die verwendeten Segmente öffentlich zur Verfügung stellen. Um diesen Segment anzuwenden, reicht es bereits hier drauf zuklicken.

Besuchsdauer Segment

Besuchsdauer Segment

Durch die Ausfilterung von Single Page Visits wird auch die Absprungrate daher ausgeschloßen. Auf dem folgenden Screenshot, sieht man eine Absprungrate von 0%, was natürlich nicht der Realität entspricht, deshalb sollte man dieses Segment immer nur in Verbindung mit der Durschnittlichen Besuchszeit auf der Seite verwenden. Zusätzlich wird dann die tatsächliche durchschnittliche Besuchszeit auf der Seite angezeigt. Wie es auf den ersten Blick zu sehen ist, gibt es einen Unterschied zwischen der ursprünglichen Besuchszeit welche von Google Analytics angezeigt wird und der neu ermittelten Werten.

Dashboard Google Analytics

Neu ermittelte Werte

Der Unterschied ist gewaltig, die neu ermittelten Werte zeigen eine Differenz fast von 50%. Alle Entscheidungen welche auf der Grundlage der alten Werte getroffen wurden, sind jetzt nichtig und führen möglicherweise zu falschen Handlungen/Ergebnissen. Aus meiner Erfahrung sollten die aggregierte Werte außer acht gelassen werden, da diese oft nicht die Realität wiedergeben. Jede Auswertung bedarf einer genauen Analyse der erhobenen Daten um Handlungsempfehlungen aussprechen zukönnen.

Am kommenden Freitag im zweiten Teil meines Beitrages über die virtuellen Seitenaufrufe, werde ich mehr auf das Thema eingehen und einige Lösungsvorschläge beschreiben. Es gibt mehrere Möglichkeiten die Besuchszeit bei Single Page Visits zu analysieren. Speziell bei der Auswertung von Landingpages und lohnt es sich einen genauen Blick drauf zuwerfen.

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3 Responses to “Die Durchschnittliche Besuchszeit auf der Seite verfälscht die Daten”

  1. [...] ersten Teil des Beitrages „Durschnittliche Besuchszeit auf der Seite“ wird eine Lösung beschrieben wie man mit Hilfe von Segmentierung die tatsächliche [...]

  2. Dennis says:

    Der Genauigkeit wegen ;) Die Anzahl der Besuche unter 10 Sekunden entspricht nicht exakt der Bounce-Rate! Es gibt tatsächlich auch Besuche, die zwar mehrere Seiten umfassen und (exklusive Aufenthaltsdauer auf der Aussteigsseite) nur 10 Sek dauern. Um Single Page Visits auszuschließen, könnte man die Bedingung “Seitenzugriffe > 1″ wählen.

    Die neuen Daten geben allerdings auch keineswegs die “Realität” wieder. Dadurch, dass Ausstiegsseiten nicht gemessen werden, sind ggf. ganz gewaltige Abweichungen möglich oder sogar wahrscheinlich. Besuche ich bspw. einen Blog, klicke nach 5 Sek auf der Homepage einen Beitrag, lese 10 Minuten und verlasse die Website daraufhin, werde ich in der Statistik mit 5 Sek (und 2 PIs) gemessen. Die reale Besuchsdauer liegt in diesem Fall also sogar weit darüber.

  3. Interessanter Beitrag. Dabei gibt es für javascript schon lange der unload event, so dass man mit der Ausnahme der Schließung des ganzen Fensters die “Weggehzeit” auch messen könnte (Bei Schließung eines Tabs funktioniert es auch). Offensichtlich hat Google es nicht implementiert. Die Frage ist, ob man das Api nutzen kann um Analytics diesbezüglich zu erweitern!?

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